Terrakotta, die kühlt: Kapillar-Regale als stromlose Klimamöbel für Küche und Wohnzimmer
Sommerhitze, steigende Strompreise und wenig Platz in der Wohnung: Brauchen wir wirklich einen weiteren Ventilator auf dem Boden? Oder kann ein Möbelstück die Raumluft abkühlen, Obst länger frisch halten und dabei auch noch gut aussehen? Kapillar-Regale aus unglasierter Terrakotta nutzen Verdunstungskälte, um Zonen mit 2 bis 5 K Temperaturabfall zu schaffen – ganz ohne Kompressor, Kühlmittel oder Netzstrom.
Was ist ein Kapillar-Kühlregal?
Ein Kapillar-Kühlregal ist ein modulares Möbel aus poröser Terrakotta, das über Dochte stetig Wasser aus einem Reservoir in seine Oberfläche leitet. Strömt Luft daran vorbei, verdunstet Wasser, entzieht der Oberfläche Wärme und erzeugt lokal fühlbare Kühle. Es ist ein stromloses Klimamöbel für Küche, Vorratskammer, Wohnzimmer oder Balkon – gedacht für punktuelles Kühlen statt klimaschädlicher Dauerklimatisierung.
Funktionsprinzip in drei Punkten
1. Verdunstungskälte
Wenn Wasser vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht, benötigt es Energie. Diese Energie entzieht es der Oberfläche. Bei trockener Luft (z. B. 30 bis 45 Prozent rF) sind 3 bis 5 K Oberflächentemperaturabfall realistisch. Bei hoher Luftfeuchte sinkt die Wirkung. Deshalb funktionieren Kapillarmöbel besonders gut in Übergangszeiten und in heißen, trockenen Phasen.
2. Kapillarwirkung
Feine Poren in Terrakotta und textilen Dochten saugen Wasser gegen die Schwerkraft nach oben. Das sorgt für gleichmäßige Benetzung, ohne Pumpe. Ein schmales, verdecktes Reservoir speist das System für mehrere Tage.
3. Mikroporöse Keramik
Unglasierte, offenporige Terrakotta bietet eine riesige innere Oberfläche. In Kombination mit laminar geführter Raumluft (z. B. sanfte thermische Konvektion am Fenster) entsteht eine leise, stetige Kühlwirkung, die weder zieht noch Geräusche verursacht.
Aufbau eines Kapillar-Kühlregals
Regalmodule: 20 bis 30 mm starke Terrakotta-Elemente mit Kapillarrillen an Unter- und Rückseite.
Dochtsystem: Pflanzenfaser- oder Glasfaser-Dochte, die von hinten in Nuten laufen; austauschbar.
Wasserreservoir: Schmale Wanne am Sockel (1 bis 3 Liter) mit Schwimmeranzeige und optionalem Aktivkohle-Einsatz.
Luftführung: Hinterlüftete Montageleiste, die einen 10 bis 15 mm Luftspalt zur Wand sicherstellt.
Frontabdeckung (optional): Perforierte Holz- oder Leinenfront, die Luft lenkt und Verdunstung dosiert.
Leistungsdaten und Grenzen
Parameter
Typischer Wert
Hinweis
Kühlleistung
40 bis 90 W pro m² Terrakotta-Oberfläche
abhängig von Luftfeuchte und Luftwechsel
Temperaturabfall
2 bis 5 K lokal
bei 26 bis 32 Grad C Raumluft, 30 bis 50 Prozent rF
Wasserverbrauch
0,2 bis 0,7 L pro Tag
pro 0,5 m² wirksamer Oberfläche
Empfohlene Raumgröße
6 bis 18 m² Zone
punktuelle Kühlung statt Vollklimatisierung
Wartung
Dochtwechsel alle 6 bis 12 Monate
Kalkspülung alle 4 bis 8 Wochen
Einsatzszenarien
Küche und Speisekammer: Obst, Brot und Wurzelgemüse in der temperierten Zone lagern. Verlängert Frische, ohne Kühlschrankplatz zu belegen.
Wohnzimmer-Leseecke: Leiser Kühleffekt im Sitzbereich, kombiniert mit Bücherregal oder Pflanzenboard.
Homeoffice: Fokus-Zone am Schreibtisch kühlen, um Nachmittagstiefs bei Hitze zu vermeiden.
Balkon oder Loggia: Außenluft als Treiber für Verdunstung nutzen und Innenräume indirekt entlasten.
Fallstudie: Altbau-Vorratsnische in Leipzig
Raum: Küche 7 m², Altbau, Südfenster, Sommertemperaturen 29 bis 32 Grad C.
Installation: 0,8 m² Terrakotta-Regalfläche, Reservoir 2 L, Dochtband 12 mm.
Messwerte:
Temperatur in Regaltiefe: 3,4 K niedriger als Raumluft im Mittel zwischen 13 und 18 Uhr.
Luftfeuchte Raum: plus 4 bis 6 Prozentpunkte, bleibt unter 55 Prozent rF.
Frische von Pfirsichen und Tomaten: 1 bis 2 Tage längere Genussphase im Vergleich zur Arbeitsplatte.
Fazit: Spürbarer Komfortgewinn ohne Geräusche, tägliches Nachfüllen 0,4 bis 0,6 L.
DIY: Kapillar-Regal in 90 Minuten bauen
Materialliste
Terrakotta-Platten 300 x 600 x 20 mm, unglasiert, offenporig, 4 bis 6 Stück.
Dochtband aus Pflanzenfaser oder Glasfaser, 10 bis 15 mm breit, 4 m.
Wasserwanne aus Edelstahl oder PP, 60 x 12 x 6 cm, mit Deckel und Füllöffnung.
Wandprofilleisten aus Holz oder Aluminium, 2 m, Abstandshalter 10 mm.
Kalkschutz: Citronensäurepulver und Aktivkohle-Filterpad.
Dichtband aus EPDM für Reservoirauflage.
Optional: Perforierte Front aus Pappelholz, 3 mm, als Designabdeckung.
Schritt-für-Schritt
Wand prüfen, Tragfähigkeit sicherstellen und leicht saugend grundieren.
Profilleisten lotrecht montieren, 10 bis 15 mm Abstand zur Wand einhalten.
Dochtbänder in die Terrakotta-Rückenrillen legen, Enden bis in die Wasserwanne führen.
Regalbretter auf Clips oder Konsolen setzen, Dochte straff, aber nicht geklemmt.
Wasserwanne mit EPDM entkoppeln, füllen und Deckel schließen. Nach 10 bis 15 Minuten prüfen, ob die Front homogene Feuchte zeigt.
Optional Frontblende montieren; Luftöffnungen oben und unten frei lassen.
Tipp: In sehr trockenen Phasen hilft ein leiser Deckenventilator auf niedrigster Stufe, die natürliche Konvektion zu verstärken.
Smart-Home-Integration ohne Stromfresser
Sensorik: Batteriebetriebene Temperatur- und Feuchtesensoren per Thread oder Zigbee erfassen Mikroklima am Regal und im Raum.
Aktive Luftführung light: Ein 5 V USB-Mikroventilator mit 0,6 bis 1,5 W hinter der Front erhöht sanft den Luftwechsel; über Zeitschaltprofil nur nachmittags aktiv.
Automation: In Home Assistant Luftfeuchte-Schwellen definieren. Bei rF unter 45 Prozent Ventilator 10 Minuten pro Stunde aktivieren, über 55 Prozent deaktivieren.
Wasserstand: Reedkontakt im Reservoir meldet Nachfüllbedarf ans Smartphone.
Pflege und Hygiene
Entkalken: Alle 4 bis 8 Wochen Dochte 30 Minuten in 5 Prozent Citronensäurelösung legen, Terrakotta mit warmem Wasser spülen.
Biofilm vorbeugen: Reservoir dunkel halten, Aktivkohlepad alle 8 Wochen wechseln.
Gerüche: Ein Esslöffel Natron im Monat in die Wanne dosieren.
Wintermodus: Dochte herausnehmen, Regal trocken betreiben; dient als Akustik- und Pflanzenboard.
Gestaltung und Innenarchitektur
Oberfläche: Natur, Lasur mit Tonerdepigmenten oder Caseinfarbe. Keine dichten Lacke, die Poren verschließen.
Form: Wellenprofile und Wabengeometrien vergrößern die Oberfläche und verbessern Luftkontakt.
Kombinationen: Mit Kräuterkästen, Obsthängern und Leinenfronten entsteht ein funktionales, mediterranes Küchenensemble.
Pro und Contra
Aspekt
Pro
Contra
Komfort
Leise, zugfrei, punktuelle Kühlung
Wirkt lokal, keine Vollklimatisierung
Energie
Kein Netzstrom, minimale Hilfsenergie
Abhängig von Luftfeuchte
Wartung
Einfache Reinigung, modulare Dochte
Regelmäßiges Nachfüllen nötig
Ästhetik
Warme Haptik, mediterraner Look
Wasser und Terrakotta erfordern Sorgfalt
Nachhaltigkeit und Ökologie
Material: Ton ist mineralisch, langlebig und vollständig recyclingfähig als Zuschlag in Lehmputz.
Kein Kältemittel: Keine fluorierten Treibhausgase, kein Kompressor.
Wasserbilanz: 0,2 bis 0,7 L pro Tag sind haushaltsüblich vertretbar. Regenwasser oder gefiltertes Leitungswasser reduziert Kalk.
Reservoir stets unterhalb der Regalböden platzieren; Überlaufbohrung mit Schlauch zur Schale vorsehen.
Holzböden durch Filzgleiter und Abtropfleiste schützen.
In Mietwohnungen auf rückstandsfreie Montage achten, z. B. Schienensystem statt Dübel.
Zukunft: 3D-gedruckte Keramik und PCM
3D-gedruckte Poren ermöglichen definierte Luftkanäle mit höherer Verdunstungsrate bei gleicher Fläche.
PCM-Einlagen speichern Nachtkühle und glätten Tagesspitzen.
Sensorgesteuerte Klappen in der Front regeln die Verdunstung je nach Feuchte und Nutzung.
Fazit und nächste Schritte
Kapillar-Regale sind eine selten genutzte, aber erstaunlich wirksame Option, um Komfortzonen in Küche und Wohnbereich zu schaffen und Lebensmittel smarter zu lagern. Starten Sie mit einem 0,5 m² Modul in einer gut belüfteten Nische, messen Sie Temperatur und Feuchte und skalieren Sie bei Bedarf. Wer DIY mag, baut in 90 Minuten ein funktionales, schönes Stück nachhaltiger Klimatechnik für zu Hause.
Jetzt ausprobieren: Standort wählen, Terrakotta besorgen, Docht verlegen, Wasser füllen – und den leisen Kühleffekt erleben.
Terrakotta, die kühlt: Kapillar-Regale als stromlose Klimamöbel für Küche und Wohnzimmer
Terrakotta, die kühlt: Kapillar-Regale als stromlose Klimamöbel für Küche und Wohnzimmer
Sommerhitze, steigende Strompreise und wenig Platz in der Wohnung: Brauchen wir wirklich einen weiteren Ventilator auf dem Boden? Oder kann ein Möbelstück die Raumluft abkühlen, Obst länger frisch halten und dabei auch noch gut aussehen? Kapillar-Regale aus unglasierter Terrakotta nutzen Verdunstungskälte, um Zonen mit 2 bis 5 K Temperaturabfall zu schaffen – ganz ohne Kompressor, Kühlmittel oder Netzstrom.
Was ist ein Kapillar-Kühlregal?
Ein Kapillar-Kühlregal ist ein modulares Möbel aus poröser Terrakotta, das über Dochte stetig Wasser aus einem Reservoir in seine Oberfläche leitet. Strömt Luft daran vorbei, verdunstet Wasser, entzieht der Oberfläche Wärme und erzeugt lokal fühlbare Kühle. Es ist ein stromloses Klimamöbel für Küche, Vorratskammer, Wohnzimmer oder Balkon – gedacht für punktuelles Kühlen statt klimaschädlicher Dauerklimatisierung.
Funktionsprinzip in drei Punkten
1. Verdunstungskälte
Wenn Wasser vom flüssigen in den gasförmigen Zustand übergeht, benötigt es Energie. Diese Energie entzieht es der Oberfläche. Bei trockener Luft (z. B. 30 bis 45 Prozent rF) sind 3 bis 5 K Oberflächentemperaturabfall realistisch. Bei hoher Luftfeuchte sinkt die Wirkung. Deshalb funktionieren Kapillarmöbel besonders gut in Übergangszeiten und in heißen, trockenen Phasen.
2. Kapillarwirkung
Feine Poren in Terrakotta und textilen Dochten saugen Wasser gegen die Schwerkraft nach oben. Das sorgt für gleichmäßige Benetzung, ohne Pumpe. Ein schmales, verdecktes Reservoir speist das System für mehrere Tage.
3. Mikroporöse Keramik
Unglasierte, offenporige Terrakotta bietet eine riesige innere Oberfläche. In Kombination mit laminar geführter Raumluft (z. B. sanfte thermische Konvektion am Fenster) entsteht eine leise, stetige Kühlwirkung, die weder zieht noch Geräusche verursacht.
Aufbau eines Kapillar-Kühlregals
Leistungsdaten und Grenzen
Einsatzszenarien
Fallstudie: Altbau-Vorratsnische in Leipzig
DIY: Kapillar-Regal in 90 Minuten bauen
Materialliste
Schritt-für-Schritt
Tipp: In sehr trockenen Phasen hilft ein leiser Deckenventilator auf niedrigster Stufe, die natürliche Konvektion zu verstärken.
Smart-Home-Integration ohne Stromfresser
Pflege und Hygiene
Gestaltung und Innenarchitektur
Pro und Contra
Nachhaltigkeit und Ökologie
Sicherheit und Praxis-Tipps
Zukunft: 3D-gedruckte Keramik und PCM
Fazit und nächste Schritte
Kapillar-Regale sind eine selten genutzte, aber erstaunlich wirksame Option, um Komfortzonen in Küche und Wohnbereich zu schaffen und Lebensmittel smarter zu lagern. Starten Sie mit einem 0,5 m² Modul in einer gut belüfteten Nische, messen Sie Temperatur und Feuchte und skalieren Sie bei Bedarf. Wer DIY mag, baut in 90 Minuten ein funktionales, schönes Stück nachhaltiger Klimatechnik für zu Hause.
Jetzt ausprobieren: Standort wählen, Terrakotta besorgen, Docht verlegen, Wasser füllen – und den leisen Kühleffekt erleben.
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