Klimaregal 2.0: Wandregal aus Lehm und Salz-PCM, das Luftfeuchte puffert und Wärme speichert

admin 16 lutego, 2026 0 Comments

Klimaregal 2.0: Wandregal aus Lehm und Salz-PCM, das Luftfeuchte puffert und Wärme speichert

Zu trocken im Winter, zu schwül im Sommer? Ein Wandregal, das Ihre Bücher trägt und gleichzeitig Ihr Raumklima stabilisiert, klingt futuristisch – ist aber machbar. Das hier vorgestellte Klimaregal kombiniert kapillaraktiven Lehm mit austauschbaren Kassetten aus Phasenwechselmaterial (PCM) und einer passiven Luftführung. Ergebnis: angenehmere Luftfeuchte, abgeflachte Temperaturschwankungen und weniger Schimmelrisiko – ohne sichtbare Technik.

Warum ein Regal das Raumklima verbessern kann

Innenräume fühlen sich dann behaglich an, wenn die relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 % liegt und Temperatursprünge ausbleiben. Genau hier setzen poröse, hygroskopische Materialien an: Sie nehmen Wasserdampf auf und geben ihn wieder ab. Kombiniert man diese Fähigkeit mit PCM-Kernen, die beim Schmelzen Wärme speichern und beim Erstarren wieder abgeben, entsteht ein Möbel, das Feuchte- und Wärmespitzen passiv glättet.

Drei Kernwissen-Punkte

  • Hygroskopie: Lehm, Zellulose und Kork können Feuchte aufnehmen und zeitversetzt wieder abgeben – das reduziert Peaks nach dem Kochen, Duschen oder vielen Personen im Raum.
  • Phasenwechsel: PCM-Kassetten (z. B. Bio-Paraffin 23–26 °C) speichern bei Phasenwechsel große Energiemengen und stabilisieren die operative Temperatur spürbar.
  • Konvektion: Eine Rückenlüftung hinter dem Regal nutzt den Kamineffekt. Warme, feuchte Luft strömt nach oben, kühlt an den Lehmflächen ab, gibt Feuchte ab und verlässt das System wieder.

Aufbau des Klimaregals

  • Front und Böden: 18–22 mm Lehmverbundplatten (Lehm + Pflanzenfasern), offenporig oder fein geschlämmt.
  • Einlegekassetten: Modultrays mit PCM (z. B. 24 °C Schmelzpunkt, 180–220 kJ kg-1) und optional Zeolith/ Aktivkohle zur Geruchsbindung.
  • Rückwand: Perforierte Lehmplatte mit Einlassschlitzen unten und Auslass oben für passive Luftzirkulation.
  • Rahmen: Massivholz (Esche, Eiche oder Tanne), geölt, kapillar offen.
  • Unsichtbare Distanzhalter: 8–12 mm Abstand zur Mauer, damit die Luft hinter dem Regal strömen kann.

So wirkt das System im Alltag

Bei plötzlicher Feuchtebelastung (z. B. Pasta kochen, 10–15 min) nimmt der Lehm Wasserdampf an der Oberfläche auf. Die Luft kühlt minimal ab, sinkt ab und wird durch die unteren Schlitze nachgeführt. Gleichzeitig absorbieren die PCM-Kassetten Überschusswärme nahe ihrem Schmelzpunkt. Nach dem Peak geben Lehm und PCM die gespeicherte Feuchte und Wärme zeitversetzt wieder ab – das Raumklima wird gleichmäßiger.

Vorteile in der Übersicht

Aspekt Beschreibung Praxisnutzen
Feuchtepuffer Lehmoberflächen + Zeolith-Trays Weniger Feuchtepeaks, geringeres Schimmelrisiko
Wärmespeicher PCM 24 °C, modular tauschbar Abgeflachte Temperaturschwankungen, mehr Behaglichkeit
Passivbetrieb Konvektion ohne Lüfter Kein Strom, keine Geräusche, wartungsarm
Raumnutzung Aufbewahrung + Klimafunktion Zwei Funktionen auf derselben Wandfläche
Gesundheit Kapillar offen, emissionsarm Wohngesund, angenehme Luft

Fallstudie: Altbau-Wohnzimmer 22 m² in Leipzig

  • Setup: 2,4 m breites Klimaregal (5 Ebenen, 0,28 m2 Lehmoberfläche pro Ebene), 6 PCM-Kassetten à 0,8 kg (24 °C).
  • Messzeitraum: Oktober–Dezember, 8 Wochen, CO2, rF und Temperatur geloggt (1-min Intervall).
  • Ergebnisse:
    • rF-Peaks nach Kochen/Gästen: im Median um 9–14 % rF niedriger, Rückkehr zur Ausgangslage 30–45 min schneller.
    • Temperaturspitzen (Nachmittags-Sonne): um 0,7–1,1 °C abgeflacht.
    • Bücherregal-Rückwand trocken: kein Kondensat, muffiger Geruch nach 3 Wochen verschwunden.

Hinweis: Werte sind exemplarisch und abhängig von Raumvolumen, Luftwechsel und Möblierung.

DIY: Ein 1,2 m Klimaregal selbst bauen

Materialliste

  1. Lehmplatten 20 mm, geschnitten auf 1200 × 300 mm (3–4 Stück für Böden, 1 Stück für Rückwand, 1 Stück Frontblende optional)
  2. Massivholzleisten 30 × 40 mm (Rahmen, Querstreben, Distanzhalter)
  3. PCM-Kassetten 24 °C, 6–8 Stück à 0,8–1,0 kg, tröpfchendicht verschweißt
  4. Zeolith-/Aktivkohleeinsätze (optional, in luftdurchlässigen Beuteln)
  5. Mineralischer Kleber für Lehm, Edelstahlschrauben, Dübel (je nach Wand)
  6. Wandhalter mit 10–12 mm Distanz
  7. Oberflächenbehandlung: Lehmfeinputz oder Silikatlasur (diffusionsoffen)

Schritt-für-Schritt

  1. Wand prüfen, tragfähig und eben herstellen. Feuchte Stellen sanieren.
  2. Holzrahmen montieren: Obere und untere Schiene waagerecht, Distanzhalter zur Wand setzen (8–12 mm Luftspalt).
  3. Perforierte Lehmrückwand anbringen: unten Einlassschlitze (5–8 mm), oben Auslassschlitze einplanen.
  4. Lehmregalböden einlegen, vordere Kante ggf. mit Lehmblende versehen (mehr Masse = mehr Puffer).
  5. PCM-Kassetten mittig unter dem obersten und zweitobersten Boden einsetzen (nahe Kopfhöhe wirkt Temperaturstabilisierung am stärksten).
  6. Optional Zeolith-/Aktivkohlebeutel im oberen Fach platzieren (Geruchsabsorption).
  7. Oberflächen mit Feinputz glätten oder dünn lasieren. Keine filmbildenden Lacke verwenden.
  8. Einräumen: Schwere Bücher gleichmäßig verteilen, Luftschlitze frei halten.

Bauzeit: ca. 4–6 Stunden, Richtkosten: 280–520 € je nach Materialqualität und PCM-Menge.

Gestaltung & Platzierung

  • Bestplatz: Innenwände mit leichter Sonneneinstrahlung oder in der Nähe von Feuchtequellen (offene Küche, Essbereich).
  • Farben: Erdige Töne betonen den Lehmcharakter; Silikatlasuren erhalten die Diffusionsoffenheit.
  • Muster: Flache Riefen oder Mikroreliefs vergrößern die Oberfläche und optimieren die Feuchteabgabe.
  • Nutzung: Oben leichte Gegenstände (Pflanzen mit Untersetzer), mittig Bücher, unten Körbe – Luftwege frei lassen.

Pro und Contra

Aspekt Pro Contra
Klima Feuchte- und Wärmepuffer in einem Möbel Wirkung abhängig von Raumgröße und Lüftung
Wartung PCM modular tauschbar Lehmkanten stoßempfindlicher als MDF
Montage DIY-tauglich, Standardwerkzeug Höheres Gewicht als leichte Regale
Design Naturmaterial, warme Haptik Keine hochglänzenden, geschlossenen Lacke möglich
Kosten Langlebig, Doppelfunktion PCM verursacht Mehrpreis

Pflege, Sicherheit und Betrieb

  • Pflege: Trocken abstauben, bei Flecken leicht feucht wischen. Keine öligen Reiniger.
  • Feuchtespitzen: Nach dem Kochen/Duschen stoßlüften – das Regal beschleunigt die Rücktrocknung.
  • Belastung: Lehmplatten sind druckfest, dennoch punktuelle Schläge an Kanten vermeiden.
  • Brandschutz: Lehm ist nicht brennbar; PCM-Kassetten gemäß Herstellerangaben verwenden.

Nachhaltigkeit & Gesundheit

  • Materialkreislauf: Lehm ist regional verfügbar und wiederverwendbar; Holzrahmen reparaturfreundlich.
  • Emissionen: Mineralisch, diffusionsoffen, ohne Weichmacher – wohngesund.
  • Lebensdauer: Lehmoberflächen lassen sich aufarbeiten; PCM-Kassetten nach Jahren tauschbar.

Optionale Smart-Integration

  • E-Paper-Hygrometer im oberen Fach für rF/Temperaturanzeige (Batteriejahre).
  • LoRa/BLE-Sensor hinter der Rückwand für Langzeit-Logging und Feuchtealarme.
  • Automations-Hinweis: Fensterkontakte + rF-Schwellenwert = Lüftungs-Reminder, ohne das Regal aktiv zu steuern.

FAQ kurz & knapp

  • Kann ich das in der Küche einsetzen? Ja, besonders offen zum Wohnraum – Fette an Lehmflächen mit Spritzschutz vermeiden.
  • Schadet Feuchte Büchern? Das Gegenteil: Puffernde Oberflächen halten rF stabiler, was Papier zugutekommt.
  • Muss das PCM beheizt werden? Nein, es arbeitet passiv um den Schmelzpunkt. Ein Tausch der Kassetten je nach Jahreszeit ist möglich.

Ausblick: Saisonale Kassetten und modulare Fronten

  • Sommersatz: PCM 24–26 °C für Hitzespitzen.
  • Wintersatz: PCM 20–22 °C für Heizperioden.
  • Frontmodule: Gerippte Lehm-Fliesen erhöhen Fläche, Textilfronten mit Hanfvlies ergänzen Akustik.

Fazit

Das Klimaregal 2.0 ist mehr als Stauraum: Es ist ein hygrothermisch aktives Möbel, das die Behaglichkeit messbar steigert und dabei natürlich aussieht. Wer in Altbauten mit wechselnden Feuchten oder in kompakten Stadtwohnungen wohnt, erhält eine elegante, passive Lösung für bessere Luft und gleichmäßigere Temperaturen.

Praxis-Tipp: Starten Sie mit einem 1,2 m Prototyp in Wohn- oder Essbereich, loggen Sie rF/Temperatur vier Wochen lang – und skalieren Sie bei Bedarf auf eine ganze Regalwand.

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