Heizung entlüften in der Mietwohnung: Schritt-für-Schritt-Anleitung und typische Kosten

Gluckert Ihre Heizung, wird sie nur teilweise warm oder bleibt ganz kalt? Meist steckt Luft im System – ein Problem, das Sie in der Mietwohnung selbst lösen können. Mit diesem Ratgeber entlüften Sie Ihre Heizkörper richtig, vermeiden Folgeschäden und kennen die Kosten.

Kurz gefasst

  • Luft im Heizkörper erkennen: gluckernde Geräusche, ungleichmäßige Wärmeverteilung, kalte Stellen oben.
  • Benötigtes Werkzeug: Entlüftungsschlüssel (5-10 Euro im Baumarkt), Lappen und Auffangbehälter.
  • Entlüftung selbst durchführen: Heizung ausschalten, Ventil öffnen, Luft entweichen lassen, Wasser nachfüllen (nur wenn nötig).
  • Kosten: Entlüftungsschlüssel ca. 5 Euro, Heizungsnotdienst 80-150 Euro – besser selber machen.
Heizung entlüften in der Mietwohnung: Schritt-für-Schritt-Anleitung und typische Kosten

Woran erkenne ich, dass die Heizung entlüftet werden muss?

Luft im Heizungssystem äußert sich durch typische Anzeichen. Hören Sie ein Gluckern oder Blubbern aus dem Heizkörper, ist das ein sicheres Zeichen. Auch wenn der Heizkörper oben kalt bleibt, während unten warmes Wasser zirkuliert, hat sich Luft angesammelt. Die Wärmeleistung sinkt spürbar – bis zu 30 Prozent können verloren gehen. Besonders nach dem Sommer, wenn die Heizung länger aus war, sammelt sich Luft. Auch nach einer Wartung oder Neuinstallation von Heizkörpern ist Entlüften nötig.

Ein weiterer Hinweis: Ein dumpfes Klopfen oder Rauschen in den Rohren deutet auf Luft hin. Prüfen Sie zudem den Anlagendruck am Manometer des Heizkessels. Bei einem Druck unter 1,0 bar sollte Wasser nachgefüllt werden – das entlüftet die Anlage aber nicht, sondern ist ein separater Schritt.

Konkretes Beispiel: In einer 70 m² großen Altbauwohnung in München stellte Familie Schäfer fest, dass das Schlafzimmer trotz voll aufgedrehtem Thermostat nur 16 Grad erreichte. Nach dem Entlüften waren es wieder 20 Grad. Die Lösung kostete unter 10 Euro.

Welches Werkzeug brauche ich und wo bekomme ich es?

Zum Entlüften benötigen Sie nur wenig: einen Entlüftungsschlüssel (oft Vierkant, 4×4 mm oder 5×5 mm), einen Lappen und eine kleine Schale oder ein Glas zum Auffangen von Wasser. Der Schlüssel kostet im Baumarkt wie OBI oder Bauhaus zwischen 3 und 10 Euro. Oft gibt es auch günstige Sets mit mehreren Größen. Für ältere Heizkörper kann ein Inbusschlüssel nötig sein – prüfen Sie vorher das Ventil.

Tipp: Legen Sie den Lappen unter das Ventil, da oft etwas Wasser austritt. Ein alter Joghurtbecher eignet sich gut als Auffangbehälter. Der gesamte Werkzeugeinsatz liegt bei unter 15 Euro. Wer keinen Entlüftungsschlüssel kaufen möchte, leiht ihn manchmal im Baumarkt oder beim Hausmeister.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entlüften

  1. Heizung ausschalten: Stellen Sie die Umwälzpumpe ab (am Heizungskessel oder den Thermostat auf „Aus“) und warten Sie 10-15 Minuten, bis das Wasser abgekühlt und die Luft sich gesammelt hat.
  2. Ventil öffnen: Setzen Sie den Entlüftungsschlüssel auf das Ventil an der Seite des Heizkörpers (meist oben). Drehen Sie langsam gegen den Uhrzeigersinn. Hören Sie ein Zischen – das ist die entweichende Luft.
  3. Warten und auffangen: Halten Sie den Lappen und das Gefäß unter das Ventil. Sobald kein Zischen mehr zu hören ist und Wasser austritt, drehen Sie das Ventil wieder zu. Nicht zu fest anziehen – nur handfest.
  4. Wiederholen: Machen Sie den Vorgang bei jedem Heizkörper in der Wohnung, beginnend im Keller oder Erdgeschoss, dann nach oben. Danach die Heizung wieder einschalten.
  5. Anlagendruck prüfen: Kontrollieren Sie nach dem Entlüften den Wasserdruck am Kessel. Liegt er unter 1,5 bar? Dann müssen Sie Wasser nachfüllen. Anleitung finden Sie in der Bedienungsanleitung der Heizungsanlage. Bei Mietwohnungen ist der Vermieter für das Nachfüllen zuständig – fragen Sie ihn oder den Hausmeister.

Achtung: Drehen Sie nie am Thermostatkopf, wenn Sie entlüften – es geht nur um das separate Entlüftungsventil. Bei Fußbodenheizung ist das Vorgehen anders: Hier müssen die Verteilerschienen entlüftet werden – lassen Sie das besser einen Fachmann machen.

Heizung entlüften in der Mietwohnung: Schritt-für-Schritt-Anleitung und typische Kosten

Wann muss ich den Vermieter oder einen Fachmann einschalten?

Sie dürfen in der Mietwohnung eigenständig entlüften – das fällt unter die zumutbare Kleinreparatur. Allerdings: Wenn nach dem Entlüften das Problem bestehen bleibt, die Heizung immer wieder Luft zieht oder gar kein Wasser austritt, liegt eine Störung vor. Dann ist der Vermieter in der Pflicht. Typische Ursachen sind ein zu niedriger Anlagendruck (muss vom Fachmann aufgefüllt werden), ein defektes Ausdehnungsgefäß oder Undichtigkeiten im System.

Kosten für den Heizungsnotdienst: Die Anfahrt kostet oft 50-80 Euro, die Arbeitszeit 60-100 Euro pro Stunde. Ein einfaches Entlüften durch den Profi kann also 80-150 Euro kosten. Wird die Heizung gar nicht warm, könnte auch eine Fehlereinstellung der Heizungsregelung vorliegen – das ist Sache des Vermieters.

Praktischer Tipp: Dokumentieren Sie jeden Schritt mit Fotos – sollte es später Streit über Schäden geben, sind Sie abgesichert. Die DIN 4701 (Wärme- und raumlufttechnische Anlagen) regelt übrigens die ordnungsgemäße Funktion – zu niedriger Druck ist ein Mangel.

Kostenvergleich: Selber entlüften vs. Fachfirma

Position Selbst erledigt Fachfirma
Entlüftungsschlüssel 5-10 €
Lappen/Behälter 0-2 € (vorhanden)
Anfahrt (Beispiel) 0 € 50-80 €
Arbeitszeit (30 Min.) 0 € 40-60 €
Wasser nachfüllen (optional) 0 € (falls vom Vermieter) 20-40 €
Gesamt 5-12 € 110-180 €

Fazit: Für unter 15 Euro und 15 Minuten Arbeit sind Sie besser dran als der Profi – sofern es nur um Luft geht.

Häufige Fehler beim Entlüften und wie Sie sie vermeiden

Ein häufiger Fehler ist das Entlüften bei laufender Heizung – dann sammelt sich die Luft nicht am Ventil. Schalten Sie die Pumpe unbedingt aus. Ein anderer Fehler: zu festes Zudrehen des Ventils, sodass es undicht wird oder sich nicht mehr öffnen lässt. Drehen Sie nur handfest zu. Manche vergessen, den Lappen unterzulegen und das Wasser läuft auf den Boden – ein Lappen und eine Schale verhindern das. Auch das Thermostat darf nicht abgedreht werden – es hat mit dem Entlüften nichts zu tun.

Ein Beispiel aus der Praxis: In einer Neubauwohnung in Hamburg versuchte ein Mieter, die Heizung zu entlüften, öffnete aber versehentlich das Ablassventil – das führte zu einem Wasserschaden. Achten Sie also genau auf die Bauform des Ventils: das Entlüftungsventil ist meist ein kleiner Vierkantkopf, das Ablassventil ist oft größer und tiefer angebracht. Im Zweifel fragen Sie den Hausmeister.

Fazit: Checkliste für die Heizungsentlüftung

  • ✓ Heizung ausgeschaltet und abgekühlt? (mind. 10 Min. warten)
  • ✓ Entlüftungsschlüssel, Lappen und Behälter bereit?
  • ✓ Ventil vorsichtig aufgedreht, bis Wasser kommt?
  • ✓ Wieder zugedreht? (handfest, nicht zu fest)
  • ✓ Alle Heizkörper entlüftet?
  • ✓ Anlagendruck geprüft? (ggf. Vermieter informieren)
  • ✓ Heizung wieder eingeschaltet und Funktion getestet?

Mit dieser Checkliste sparen Sie Zeit, Geld und Nerven. Und falls Sie doch den Fachmann brauchen: Sie haben jetzt alle Infos, um die Kosten einzuschätzen.

Häufige Fragen

Muss ich die Heizung ausschalten zum Entlüften?

Ja, schalten Sie die Umwälzpumpe über die Heizungssteuerung aus oder drehen Sie den Thermostat auf „Aus“. Warten Sie 10-15 Minuten, damit sich die Luft an der höchsten Stelle (dem Ventil) sammeln kann.

Was tun, wenn kein Wasser aus dem Ventil kommt?

Das kann bedeuten, dass der Anlagendruck zu niedrig ist oder das Ventil verklemmt. Dann ist der Vermieter oder ein Fachmann gefragt. Versuchen Sie nicht, das Ventil gewaltsam zu öffnen – es könnte brechen.

Wie oft sollte ich die Heizung entlüften?

Einmal im Jahr vor der Heizperiode reicht meist. Bei ständigen Problemen (z. B. nach Wassernachfüllung) kann eine zusätzliche Entlüftung nötig sein.

Kann ich bei einer Fußbodenheizung selbst entlüften?

Bei Fußbodenheizung entlüften Sie nicht die Heizkörper, sondern die Verteilerschienen. Das ist komplizierter – besser vom Fachmann machen lassen. Viele Vermieter verlangen das.

Wer zahlt, wenn durch unsachgemäßes Entlüften ein Schaden entsteht?

Sie als Mieter haften für Schäden, die durch unsachgemäße Handlungen entstehen. Daher nur entlüften, wenn Sie sicher sind. Im Zweifel lieber den Vermieter oder Hausmeister informieren.

Wie erkenne ich einen Defekt am Ausdehnungsgefäß?

Ein defektes Ausdehnungsgefäß führt oft zu starken Druckschwankungen und dauernder Luft im System. Das muss der Fachmann prüfen. Zeichen: Heizung läuft ständig und der Druck fällt schnell ab.

Kann ich die Heizungsanlage selbst mit Wasser befüllen?

Nein, das ist in der Regel Sache des Vermieters oder Hausmeisters. Ein falscher Druck oder verunreinigtes Wasser kann die Anlage beschädigen. Fragen Sie vorher nach.

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