Fensterbank 2.0: Sitznische mit PCM-Wärmespeicher, die im Winter wärmt und im Sommer kühlt

admin 7 stycznia, 2026 0 Comments

Fensterbank 2.0: Sitznische mit PCM-Wärmespeicher, die im Winter wärmt und im Sommer kühlt

Warum lassen wir Sonnenwärme ungenutzt entweichen, statt sie dort zu speichern, wo wir sie spüren? Eine thermoaktive Fensterbank mit Phase-Change-Material (PCM) verwandelt die Sitznische in einen lautlosen Komfortbooster: Sie speichert solare Gewinne, glättet Temperaturschwankungen und reduziert den Kaltluftabfall am Fenster – ohne sichtbare Technik, optional smart geregelt.

So funktioniert die PCM-Fensterbank

Das Herzstück ist ein latenter Wärmespeicher: Beim Schmelzen nimmt das PCM große Energiemengen auf, beim Erstarren gibt es diese wieder ab – bei nahezu konstanter Temperatur.

  • Latente Speicherleistung: Je nach Salz­hydrat oder Paraffin ca. 45–70 Wh/kg (≈ 160–250 kJ/kg).
  • Natürliche Konvektion: Perforationen an Front und Oberseite bilden einen stillen Luftkreislauf. Kalte Luft wird erwärmt, der Kaltluftsee verschwindet.
  • Sommer-Vorteil: PCM mit Schmelzpunkt 23–26 °C nimmt Spitzenwärme auf und puffert Überhitzung in Südzonen.

Aufbau der thermischen Sitznische

  • Decklage: 18–22 mm Eiche, Esche oder Bambus, geölt (wärmeleitfähig genug, robust, warm im Griff).
  • PCM-Kassetten: Flachmodule 300 × 300 × 15–25 mm, Schmelzpunkt 24 °C, leckagegesichert (Schweißrand, Dichtigkeitsprüfung).
  • Luftkanäle: 15–20 mm Strömungsspalt, perforierte Front (Lochanteil 12–18 %), Staubfilter-Vlies.
  • Isolationsrücken: Vakuumdämmplatte oder Holzfaser 20–40 mm zum kalten Mauerwerk.
  • Optional aktiv: 24 V SELV-Mini-Lüfter (0,6–1,2 W, 80 mm), flüsterleise, gesteuert via Thermostat bzw. CO₂-Sensor.

Dimensionierung: Wie viel PCM ist sinnvoll?

1) Zieltemperatur und Schmelzpunkt

Wohnräume fühlen sich bei 20–23 °C behaglich an. Wählen Sie PCM 23–26 °C für Winterkomfort nahe Fenster und PCM 26–28 °C für sommerliche Pufferung in Südzonen.

2) Speicherbedarf grob kalkulieren

  • Daumenregel: 8–12 kg PCM pro laufendem Meter Fensterbank (Tiefe ≥ 35 cm) liefern 400–800 Wh latente Speicherung.
  • Beispiel: 1,5 m Bank × 10 kg/m × 55 Wh/kg ≈ 825 Wh Speicher pro Lade-/Entladezyklus.

3) Materialwahl und Kompatibilität

  • Salzhydrat: hohe Dichte, gute Leistung, oft preiswerter; braucht Leckageschutz und Phasenstabilisator.
  • Paraffin: chemisch stabil, wartungsarm; geringere Dichte, dafür sehr zyklenfest.
  • Gehäuse: Metallkassetten für bessere Wärmeleitung, Kunststoff für Kostenvorteil – jeweils mit Prüfzeugnis (Dichtigkeit, Brandschutzklasse passend zur Anwendung).

Vorteile auf einen Blick

Vorteil Beschreibung Praxisnutzen
Komfortzone am Fenster Höhere Oberflächentemperatur, weniger Zug Längere Nutzungsdauer der Sitznische
Energiepuffer Speichert solare Gewinne, gibt sie zeitversetzt ab Spürbar stabilere Raumtemperatur
Sommerkühlung passiv Reduziert Temperaturspitzen an Südfassaden Weniger Überhitzung am Nachmittag
Leise & unsichtbar Keine sichtbaren Heizgeräte, optional lüfterlos Wohnlich statt technisch
Nachrüstbar Modulbauweise für Bestandsfenster DIY-tauglich, geringe Eingriffstiefe

Fallstudie: Altbau-Sitzfenster in Berlin

  • Objekt: Gründerzeitwohnung, Südfassade, 3 Flügel, Laibung tiefergelegt als Sitznische (1,6 m × 0,4 m).
  • PCM: 18 kg Salzhydrat 24 °C in 6 Kassetten, Decklage Eiche 20 mm, Frontperforation 14 %.
  • Ergebnisse (Messzeitraum Jan.–März):
    • Oberflächentemperatur Bank: +2,3 K im Mittel an sonnigen Tagen (12–15 Uhr).
    • Raumtemperatur Schwankung: –0,9 K (ohne Reglereingriff).
    • Kaltluftabfall: Zuggefühl subjektiv „nicht mehr wahrnehmbar“; Anemometer < 0,08 m/s in Sitzhöhe.
    • Zusatzstrom (aktive Variante mit 24 V Lüfter): 0,7 W durchschnittlich, < 0,02 kWh/Tag.

DIY-Montage Schritt für Schritt

Materialliste (Beispiel 1,5 m Breite)

  1. Deckplatte Holz 1600 × 400 × 20 mm, beidseitig geölt
  2. 6 × PCM-Kassette 300 × 300 × 20 mm, 24 °C
  3. Tragrahmen Multiplex 18 mm, Raster 300 mm
  4. Holzfaser-Dämmplatte 30 mm (Rückseite/Unterlage)
  5. Perforierte Frontleiste 1600 × 120 mm (Loch Ø 8 mm, 14 %)
  6. Filtervlies (wechselbar), Magnetband oder Cliprahmen
  7. Optional: 2 × 24 V-Lüfter 80 mm, Thermostat (Matter/Wi‑Fi)
  8. Schrauben, Holzleim D3, Kantenband

Montage

  1. Untergrund prüfen, Unebenheiten spachteln; Feuchte messen (CM ≤ 2 % bei mineralisch).
  2. Tragrahmen auf Gehrung bauen, Lüftungsquerschnitte freihalten (≥ 120 cm²/m).
  3. Dämmplatte einlegen, Rahmen verschrauben; Wandanschluss mit Kompriband.
  4. PCM-Kassetten flächig in Raster legen; Dehnfugen 3–5 mm einplanen.
  5. Filtervlies hinter die perforierte Front, Front aufklipsen.
  6. Deckplatte aufsetzen, von unten verschrauben; Fuge zum Fenster elastisch abdichten.
  7. Optional aktiv: 24 V Lüfter in Front integrieren, Netzteil SELV, Thermostat anschließen.
  8. Funktionstest: Luftstrom, Temperaturfühler, Geräuschpegel prüfen.

Bauzeit: 3–5 h zu zweit • Kosten: ab ~ 420–680 € je nach PCM-Typ und Holzart.

Smart-Integration ohne Bastelstress

  • Sensorik: Temperaturfühler an Bankoberfläche und in Laibung, optional CO₂ für bedarfsgerechte Lüftung.
  • Automation (Beispiele):
    • Wenn Bank > 24 °C und Raum < 21,5 °C → Lüfter Stufe 1 (10 min).
    • Wenn Außensonnenschein erkannt (PV-Überschuss) → Lüfter Stufe 2 zum Laden des PCM.
    • Nachts Sommerbetrieb: Lüfter aus, Fenster-Spaltlüftung an (quellluftfreundlich).
  • Kompatibel mit: Matter, HomeKit, Home Assistant, Shelly (24 V), Tasmota – dank SELV gefahrlos.

Pro / Contra

Aspekt Pro Contra
Komfort Spürbar wärmere Fensterzone Deckplatte braucht Öl-/Lackpflege
Energie Puffert Lastspitzen, nutzt Solarwärme Keine Wunderheizung: Leistung begrenzt
Akustik Holz/Filz dämpfen Reflexionen Perforationen können Staub sammeln
Montage DIY-tauglich, trocken Exakte Luftquerschnitte nötig
Budget Modular skalierbar PCM-Kassetten treiben Kosten

Gesundheit & Nachhaltigkeit

  • Wohngesund: Kein Gebläse nötig; aktive Variante mit Feinstaubfilter (wechselbar).
  • Materialien: FSC-Holz, formaldehydfreie Leime, PCM mit Sicherheitsdatenblatt.
  • Lebensdauer: > 10.000 Ladezyklen üblich; Kassetten austauschbar, Holz reparabel.
  • Rückbau: Sortenrein trennbar; Holz recycel-/kompostierbar, PCM als Wertstoff.

Häufige Fehler – und wie man sie vermeidet

  • Zu wenig Luftaustausch: Immer Ein- und Auslass einplanen; Lochanteil ≥ 12 %.
  • Falscher Schmelzpunkt: 24–26 °C für Winterkomfort, > 26 °C primär für Sommerpufferung.
  • Wärmebrücken: Deckplatte nicht direkt auf kalten Stein; Trennlage/Isolationsrücken vorsehen.
  • Feuchte in der Laibung: Vor Einbau Schimmel-Check; ggf. Sanierputz/Entfeuchtung.

Ausblick: Adaptive Speicher und Tageslichtkopplung

  • Hybrid-PCM mit zwei Schmelzbereichen (23 °C und 28 °C) erweitert Sommer-/Winterfenster.
  • PV-gekoppelte 24 V-Lüfter laden das PCM bevorzugt bei Solarüberschuss.
  • Tageslichtsensorik verknüpft Beschattung, Lüfterstufen und Speichermanagement.

Fazit: Komfortplatz am Fenster – jetzt nutzbar machen

Eine PCM-Fensterbank ist ein unauffälliges Bauteil mit großer Wirkung: mehr Sitzkomfort, glattere Temperaturen, passive Kühlung an Sonnentagen. Beginnen Sie mit einem Fenster als Pilot, wählen Sie 24–26 °C PCM und testen Sie die stille Konvektion zuerst lüfterlos. Wer mehr Dynamik wünscht, ergänzt später 24 V-Lüfter und eine schlanke Automationslogik.

Call to Action: Messen Sie die Fensterlaibung, prüfen Sie den Schmelzpunktbedarf – und planen Sie Ihre erste thermische Sitznische für die nächste Heizperiode.

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